Das Sterben der Innenstadt – und die Kluft zwischen digitalem „Sein“ und „Bewusstsein“

Das Sterben der Innenstadt – und die Kluft zwischen digitalem „Sein“ und „Bewusstsein“

Marktkommentar: Ladensterben & Digitalisierungsoffensiven

Ladensterben & Digitalisierungsoffensiven

Das Sterben der Innenstadt – und die Kluft zwischen digitalem „Sein“ und „Bewusstsein“

Wann werden strukturelle IT-Innovationen im Einzelhandel sichtbar?

Ettenheim, 10. August 2020 – Lange hat es gedauert, aber jetzt ist das Thema innerstädtisches Ladensterben in der breiten Öffentlichkeit angekommen. Beispiel: Ende Juli machte ein Berliner Anzeigenblatt sein wöchentliches lokales Leserbarometer mit der Frage auf: „Sollen alle Geschäfte mindestens an einem Sonntag im Monat öffnen dürfen?“ (als Rettungsring für Händler). Ergebnis: 45 Prozent sind dafür, 55 Prozent sind dagegen. Die 1.617 Teilnehmer der Umfrage sind sicher nicht repräsentativ. Sonntagsöffnungen scheinen aber nicht der Rettungsring für den stationären Handel zu sein.

Es wird viel über Hilfe für den Handel diskutiert. So schreibt die Süddeutsche Zeitung: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier plant Konzepte zur Wiederbelebung der Innenstädte ins Leben zu rufen. Der örtliche Einzelhandel soll mit digitalen Angeboten punkten. Von kleineren Modeläden, Schuhgeschäften und neuen Hemden ist die Rede. Anfang September soll es dazu einen runden Tisch geben.

HDE-Präsident Josef Sanktjohanser geht davon aus, dass durch die Corona Krise den deutschen Handelsunternehmen (LEH ausgenommen) Umsatzeinbußen von bis zu 40 Milliarden Euro entstehen können. Und der Verband nennt die Zahl, dass durch die Pandemie ein Wegfall von bis zu 50.000 Handelsstandorten möglich sei. Zugleich fordert der HDE von der Politik ein Förderprogramm von 100 Millionen Euro zur Digitalisierung von mittelständischen Einzelhändlern. In einer Pressemitteilung vom 31. Januar 2020 hatte der HDE darauf hingewiesen, dass der stationäre Handel seit 2010 bereits 39.000 Standorte verloren habe.

Szenenwechsel: Laut Zahlen des Datenportals Statista lag der Einzelhandelsumsatz im engeren Sinne 2019 in Deutschland bei rund 543 Milliarden Euro. Davon entfallen rund 237 Milliarden Euro auf Ausgaben für den Bereich Lebensmittel und Tabak. Die Zahl der Unternehmen im dt. Einzelhandel wird für 2018 mit 338.545 angegeben. Die privaten Konsumausgaben lagen 2019 in Deutschland voraussichtlich bei ca. 21.500 Euro je Einwohner (Quelle: EHI)

Für den im Niedergang begriffenen Einzelhandel müsste die letzte Zahl doch eigentlich die wichtigste sein. Von diesem Budget gilt es zu profitieren. Und nicht die Ladenöffnungszeiten setzen den Trend, sondern die Digitalisierung. Bei der großen Einigkeit von Wirtschaft, Politik und Experten in diesem Punkt ist es sehr erstaunlich, wie wenig sichtbar IT-Innovationen im Handel eigentlich sind. Und damit sind nicht PR-Aktionen wie sprechende und singende Roboter gemeint, sondern es geht um die Wahrnehmung der strukturellen digitalen Änderungen. Oder anders ausgedrückt: Wenn die Digitalisierung den stationären Handel auch auf mittlerer und kleiner lokaler Ebene zukunfts- und überlebensfähig machen soll, warum wird damit wenig geworben und selten inhaltlich darüber geredet?

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Der Grund ist einfach: die Digitalisierung ist bis heute für den stationären Handel kein Mehrwert. Sie ist schlicht kein Verkaufsargument – ganz im Gegensatz zu Merkmalen wie Preis, Marke, Qualität, Beratung, Service, Bio usw. Wenn es die digitalen Prozesse und Angebote beim lokalen Händler nicht gibt, werden sie manchmal vermisst, aber selten konkret eingefordert. Wenn es sie aber gibt, sollen sie nichts anderes als fehlerfrei funktionieren. Kaum jemand sieht die Chance, dass dieser Sachverhalt eine enorme Aufwertung, ein großer Mehrwert ist und auch ein Alleinstellungsmerkmal sein kann.

Design ist wichtiger, Erlebnis ist wichtiger, Wohlfühlen ist wichtiger, Event ist wichtiger. Das Digitale gibt es manchmal im „Sein“, aber ganz selten im „Bewusstsein“.

Die Situation des stationären Handels in Deutschland ist nach Einschätzung von SES-imagotag vereinfacht so:

  • Der LEH ist weitgehend digital, aber häufig noch nicht online
  • Die meisten restlichen Branchen sind noch nicht digital

Die großen Akteure des LEH investieren derzeit massiv finanziell und personell in ihre digitale Transformation. Diese digitalen Systeme werden dem LEH Vorteile bei der Teilhabe an den privaten Konsumausgaben bringen.

Was ist die Konsequenz für den restlichen stationären Handel – also auch die kleinen und mittleren Händler in der Innenstadt? Viele orientieren sich am Modell der Verkaufsplattformen. Der digitale Zugang zu anderen und neuen Kundenpotentialen ist interessant. Dabei sollte die Frage nicht in den Hintergrund geraten: Welche digitalen Systeme helfen mir am besten dabei, meinen Anteil am Jahresbudget von 21.500 Euro aller deutschen Konsumenten spürbar zu erhöhen?

Und die Anschlussfrage muss lauten:

Wie mache ich dieses digitale Angebot am effektivsten sichtbar?

Genau damit beschäftigen wir uns bei SES-imagotag.

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